Sehr geehrte Hauseigentümer, Mieterinnen und Mieter, Bürgerinnen und Bürger!
Dass mit Investitionen in Energieeinsparung bares Geld zu verdienen ist, hat sich längst herumgesprochen. Sie haben nur den Nachteil, dass Sie zunächst einmal Geld kosten. Da ist es wichtig, die aktuellen Möglichkeiten für die Förderung von Investitionen zu kennen. Im Bereich der Gebäudesanierung, des energiesparenden Bauens und der Nutzung erneuerbarer Energien gibt es zahlreiche Förderprogramme. Damit rechnen sich auch Maßnahmen, die deutlich über dem geforderten technischen Standard liegen. Mit diesem Flyer möchte ich Ihnen einen ersten Überblick über den Fördermitteldschungel geben und die wichtigsten Beratungsangebote aufzeigen.
Ein Wort an Vermieter
Sie meinen, eine Sanierung lohnt sich nicht, das Sie als Vermieter nur höhere Kosten haben, den Nutzen aber nur der Mieter hat? Das ist wirklich ein Hemmnis – wenn man nicht miteinander ins Gespräch kommt. Informieren Sie Ihre Mieter über die Möglichkeiten und Chancen einer energetischen Sanierung. Gemeinsam lässt sich sicher ein Modell finden, wie die Investitionen finanziert und die Ersparnisse aufgeteilt werden können. Wenn Sie Ihre Mieter von Anfang an diesen Überlegungen beteiligen, werden Sie dabei die größten Chancen für eine Akzeptanz finden. Daneben erhöht sich natürlich auch der Marktwert Ihrer Wohnungen für künftige Vermietungen.
Ein Wort an die Mieterinnen und Mieter
Wenn Sie Mieter in einer Wohnung sind, können Sie auch etwas tun. Sprechen Sie mit den Mitmietern in Ihrem Haus und informieren Sie sich gegenseitig über die Möglichkeiten und Chancen einer energiesparenden Sanierung Ihres Hauses. Nehmen Sie mit Ihrem Vermieter Kontakt auf und klären Sie mit ihm, Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung, wie beide Seiten einen Vorteil haben.
Ein Wort in eigener Sache
Ich habe mich als Mitgliedes Europäisches Parlaments im Fachausschuss für Regionale Entwicklung immer wieder dafür eingesetzt, dass die Europäische Strukturfonds-Förderprogramme auch für die energetische Sanierung und die Nutzung erneuerbarer Energien eingesetzt werden können. Bereits jetzt werden die Sächsischen Förderprogramme, die in diesem Flyer zitiert werden, aus europäischen Fonds kofinanziert. Künftig können 4% der Mittel aus dem Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) für Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden und die Nutzung erneuerbarer Energien verwendet werden. Hierfür müsste die Sächsische Landesregierung „nur“ noch eine Anpassung der entsprechenden Landesprogramme beschließen.
Die Fördermittelinformationen sind auf dem Stand vom Juni 2009.
Der Flyer wurde erstellt und gedruckt mit Mitteln der Gruppe GREENS/EFA im Europäischen Parlament.
Die CO2-Emissionen, die durch das Heizen im Wohnbereich verursacht werden, sind in Sachsen im Vergleiche zu 1994 weiter angestiegen. Das ergab eine Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im
Sächsischen Landtag. (Drs. 4/14732) Mit 4,68 Mio. Tonnen im Jahr 2006 lagen die CO2-Emissionen aus dem Wohnbereich über dem Wert von 4,13 Mio. Tonnen aus dem Jahr 1994. Das bedeutet eine Steigerung um etwa 13 Prozent bei einem gleichzeitigen Bevölkerungsrückgang um etwa 10 Prozent trotz mehreren Verschärfungen der Energieeinsparverordnung. Der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß bei der Beheizung je Einwohner und Jahr hat sich damit seit 1994 von 0,9 auf 1,1 Tonnen erhöht.
Die Staatsregierung geht mit schlechtem Beispiel voran. Von ihren 5.200 Liegenschaften in Sachsen wurden 2007 und 2008 gerade einmal 25 bzw. 26 Gebäude saniert. Das ergibt eine Sanierungsquote von nicht einmal 0,5 Prozent pro Jahr. Nur 1.535 der landeseigenen Gebäude wurden nach 1995 errichtet oder saniert. Davon erfüllen aber nur 910 Gebäude die Energieeinsparverordnung. Fazit: Fast 3.650 Gebäude (etwa 70 Prozent) sind energetisch sanierungsbedürftig.
Trotz erheblicher Verkäufe von Liegenschaften sind die jährlichen Wärmekosten des Freistaats von 2003 bis 2007 um etwa 12 Prozent (von 21,3 auf 23,8 Mio Euro) gestiegen. Die Ausstattung der
Freistaats-Gebäude mit Erneuerbaren-Energien-Anlagen zur Wärmegewinnung
liege bei unter einem Prozent.
Die im März 2009 im Klimaaktionsplan niedergelegten Ziele von 20 Prozent Verringerung des fossilen Heizenergiebedarfes sind so nicht zu erreichen. In einem Aktionsplan 'Energetische Sanierung' muss die
Staatsregierung darlegen, wie der gesamte Gebäudebestand des Freistaats in den nächsten 20-25 Jahren energetisch saniert werden kann. Mit nachhaltigen Investitionen lassen sich erhebliche Energiekosten beim
Land einsparen. Die Staatsregierung will aber ihre Bauinvestitionen in den Bestand bis 2012 um 20 Prozent senken.
Für den Wohnbereich brauchen wir einen Ausbau der Energieberatung und eine Ergänzung der Förderprogramme des Bundes. Die Sächsische Energieagentur SAENA kann mit 50.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2009 nicht die notwendige Wirkung entfalten. Für die kleineren
Vermieter von Mehrfamilienhäusern und den in Sachsen wichtigen Wohnungsgesellschaften müssen Zuschuss-Programme für energetische Sanierung angeboten werden.
"Als mehr als ausbaufähig", attestiert Olaf Reiter, Leiter des Arbeitskreises Ökologisches und nachhaltiges Bauen in der Architektenkammer Sachsen die Anzahl der Passivhausbauten im Bestand des
Freistaates. "Die Staatsregierung wird ihrer Vorreiterrolle in keiner Weise gerecht. Ein einziges realisiertes Gebäude im Passivhausstandard, ein weiteres im Bau und drei in der Planung, das ist eindeutig zu wenig.
Ein Wärmeverbrauch von bis max. 15 kWh/m² im Jahr im Neubau sowie bis 30 kWh/m² im Jahr in der Sanierung ist längst technisch machbar. Ende Mai 2010 kommt die internationale Passivhaus-Tagung mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus ca. 50 Ländern nach Dresden. Wenn der Freistaat positive
Beispiele vorzeigen will, muss er sich beeilen", so der Architekt und Energieberater.